5 Fakten rund um die neue deutsch-dänische Region

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Spontan mit dem Rad in die Bahn nach Lolland? Zur Arbeit? Zum Training? Zur Liebsten oder dem Liebsten? Das wird künftig mit dem Tunnel möglich sein. Die zehn Minuten, die man mit der Bahn unter der Ostsee durchfährt, schaffen nicht nur Mobilität. Hier haben wir die Fakten rund um den Tunnel zusammengestellt:

1. Lebenswerte Region
Wie lebt man in zwei Ländern, aber einer Region? Unsere Kinder und Enkel erleben das künftig – sie können auf beiden Seiten des Belts zur Schule gehen und arbeiten. So, als wenn die natürliche Grenze des Meeres einfach verschwindet. Grenzen in den Köpfen werden genauso verschwinden. Aus Nachbarn werden Freunde. Zweisprachigkeit wird normal. Kultur oder Sport sind nicht mehr national begrenzt. Unsere Kinder können in Maribo Fußball spielen und auf Fehmarn zur Schule gehen. Dadurch werden auch junge Familien und Leute herziehen.
Skeptiker behaupten das Gegenteil trete ein, weil nur mehr Verkehr entsteht. Oder wahlweise wird auch behauptet, zu wenig Verkehr entstehe und das Projekt bringe nichts. Fakt ist: Der Tunnel ist der Schlüssel für eine noch lebenswertere Region. Viele beteiligen und engagieren sich wie wir von beltoffen für eine gute Planung. Ein Ergebnis: Der befürchtete Schienenlärm durch die Bäderorte ist vom Tisch. Die neue Schienentrasse wird abseits der Bäderorte verlaufen.

2. Wirtschaftlicher Aufschwung
Bislang liegt Ostholstein mittendrin und dennoch am Rand. Während Skandinavien unglaublich eng mit Deutschland wirtschaftlich verflochten ist, fließt fast alles an unserer Region vorbei. Oder besser: Ostholstein profitiert so gut wie gar nicht. Historisch strukturschwach, immer älter – unsere Region braucht die Frischzellenkur durch den Tunnel. Dringend. Damit wir hier gut leben können, brauchen wir auch gute Arbeitsplätze. Der Ausbau und die Anbindung der Infrastruktur führen dazu, dass wir auch wirtschaftlich in die Mitte rücken. Neue Arbeitsplätze entstehen genau dadurch. Gerade das produzierende Gewerbe wird bei uns profitieren. Und das Beste daran ist, dass die Investitionen nicht vom Steuerzahler kommen. Der Tunnel ist für 150 Jahre gedacht und wird durch Mauteinnahmen in 38 Jahren finanziert. Da können wir nur danke sagen. Dänemark hat beim Bau und der Finanzierung großer Infrastruktur viel bessere Erfahrung als Deutschland. Penibel kalkuliert und in der Zeit wird dort gebaut. Deswegen sprechen deutsche Politiker auch gerne vom „dänischen Modell“.
Das Argument, Schiene und Straße müssten jetzt vom Steuerzahler bezahlt werden, stimmt ja nicht. Unsere Infrastruktur ist seit Jahrzehnten marode. Und wir sind abgehängt durch einen Investitionsstau. Die Investitionen sind sowieso dringend notwendig.

3. Umwelt
Unser Verkehr wird umweltfreundlicher. Durch den Tunnel entstehen etliche Anreize für die Schiene – auf beiden Seiten des Belts. Auf der deutschen Seite entsteht eine komplett neue Infrastruktur. Zweigleisig und elektrifiziert soll es auf beiden Seiten des Belts werden. Verkehrsexperten basteln auch an einer Elektrifizierung mit E-Mobilität. Die Vision ist die Grüne Vogelfluglinie, die emissionsfrei werden soll. Selbst bei fossilen Antrieben werden weniger Emissionen frei gesetzt – weil das Tor nach Skandinavien über den Belt rund 160 Kilometer kürzer ist als über Flensburg. Das gilt für die einfache Strecke.
Die schweren Belastungen der Ostsee durch Schwermetalle und Öl durch die Fähren werden abnehmen, auch wenn der Schiffsverkehr weiter besteht. Die Befürchtungen der Kritiker, die Ostsee würde dauerhaft beschädigt, ist falsch. Das zeigt der Faktencheck. Grundlage sind die umfangreichsten Umweltuntersuchungen, die je in der Ostsee durchgeführt worden sind. Vor allem gilt: Das Ökosystem bleibt intakt, auch wenn der Bau ein Eingriff in die Natur ist. Am Öresund loben heute Umweltschützer sogar das Ergebnis. Flora und Fauna geht es heute besser als vor dem Bau. Und die Bauweise des Tunnels zwischen Kopenhagen und Malmö ist die gleiche. Die Ostsee bekanntlich auch.

4. Zwei Küsten eine Region – Schub für den Tourismus
Weil wir es hier so gut haben, machen hier viele Menschen Urlaub. Das soll nicht nur so bleiben, sondern geht ja auch noch besser. Heute ist der Tourismus deutsch oder dänisch. Obwohl wir uns ein Meer teilen, im gleichen Wasser surfen, segeln oder schwimmen. Durch das Verschwinden der Grenze mit dem Tunnel wird die Teilung Geschichte. Einen Tag im Hansapark, aber Übernachtung auf Lolland? Das wird bald Realität. Das Beste daran ist, dass sich die Region Ostholstein, Lolland/Falster künftig als eine Urlaubsregion vermarkten kann. Und damit noch attraktiver wird, mit noch mehr Touristen aus Europa und der ganzen Welt.
Kritiker befürchten während der Bauphase einen Einbruch des Tourismus. Die Erfahrung aus Dänemark beweist eher das Gegenteil. Touristen werden sich die Baustelle ansehen – schließlich ist der Tunnel der Rekorde ein echter Publikumsmagnet.

5. Europa erleben
Ist Europa am Ende? Das fragen sich viele nach dem Brexit besorgt. Nicht hier bei uns. Am Belt wird Europa buchstäblich erfahrbar. Die natürliche Grenze des Meeres wird überwunden. Und unser Leben wird europäisch. So wie am Öresund muss die Politik das mit aller Kraft unterstützen. Flächendeckendes Angebot für Dänisch und Dänisch-Unterricht. Oder Angleichungen im Steuer- und Sozialrecht. Gemeinsame Ansiedlungen von Unternehmen. Überhaupt Gewerbeansiedlungen, die die Stärke unserer Region voll ausspielen.
Kritiker befürchten, dass die Dänen jetzt Ostholstein erobern. Na ja, also die Zeit dieser Gedanken sind ja Gott sei Dank vorbei. Es geht nicht um „wir“ oder „die“. Sondern um das Gemeinsame, Verbindende. Die Welt ist zu groß, als dass wir wieder im 19. Jahrhundert leben können. Aber es stimmt schon, dass wir in Ostholstein auch so gut vorbereitet sein sollten wie die Dänen, wenn der Tunnel endlich eröffnet wird.

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